Kostenlose Hörbücher bei Spotify: 9 Tops und Flops

Hörbuch

Immer fehlt die Zeit zum Lesen. Ist man gerade mal nicht bei der Arbeit oder in der Uni, schaut einen zu Hause der Berg Bügelwäsche böse an oder die Küche will dringend aufgeräumt werden. Da gibt es eine ganz einfache und wundervolle Lösung: Hörbücher. Bei Spotify gibt es die noch dazu kostenlos, zumindest für zu Hause auf dem Laptop. Bei der App kann man nur mit der Premium Version die Zufallswiedergabe abstellen, die einen bei rund 100 Kapiteln eher in den Wahnsinn treibt als Freude bereitet. Die Auswahl ist groß und es sind auch relativ aktuelle Bestseller dabei wie etwa „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ von Jojo Moyes oder „Nur ein Tag“ (was ich als nächstes hören werde) und „Und ein ganzes Jahr“ von Gayle Forman. Leider sind viele Bücher nur gekürzt verfügbar, aber es sind wirklich tolle Werke dabei. Ich habe bisher neun Hörbücher durch. Einige haben die Hausarbeit vollkommen erträglich gemacht, andere konnten sie nicht allzu viel angenehmer machen.

TOP: Für Eile fehlt mir die Zeit von Horst Evers (ungekürzt)

„Wenn ich am Frühstückstisch sitze, bin ich müde. Wenn ich im Bett liege, habe ich Hunger. Immer zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Horst Evers erzählt kurze Geschichten über Sinnlosigkeiten des Alltags und lustige Zwischenfälle, wie etwa ein peinliches Schnarchbild aus dem Zug, das die Runde macht, oder was Google so alles nicht weiß.

Man liegt jetzt nicht unbedingt vor lachen auf dem Boden, aber die Erzählungen von Evers sind unterhaltsam, meistens geistreich und sorgen auch ab und zu für einen Lacher. Genau das Richtige zum nebenher Hören, wenn das was man tut außer das Hörbuch zu hören wenig Spaß macht. Der Sprecher ist Evers selbst, was ich sehr gelungen finde, weil wahrscheinlich keiner (sofern er rhetorisches Talent hat, was bei Evers meiner Meinung nach der Fall ist) ein Werk so authentisch rüberbringen kann, wie derjenige, der es geschrieben hat.

TOP: Ich schreib dir morgen wieder von Cecelia Ahern (gekürzt)

„Es gab eine Vergangenheit, von der ich nichts wusste. So viel war sicher.“

Der Selbstmord ihres Vaters bringt Tamaras glamouröses Leben vollkommen durcheinander. Sie muss zu Verwandten aufs Land ziehen. Ihre Mutter steht vollkommen neben sich und ihre Tante scheint irgendetwas unbedingt vor ihr verbergen zu wollen. Eines Tages leiht Tamara in einem Bücherbus ein Buch aus. Es ist leer. Doch plötzlich füllt es sich mit Buchstaben – in ihrer Schrift. Es ist ein Tagebuch mit Einträgen des jeweils nächsten Tages. Mit dessen Hilfe kommt Tamara der geheimnisvollen Vergangenheit ihrer Familie immer näher.

Vor rund sieben Jahren habe ich das Buch gelesen. Es hat mich bis tief in die Nacht wachgehalten, weil ich es (vor allem gegen Ende) so spannend fand. Auch als mittlerweile Erwachsene konnte mich dieses Buch mit jugendlicher Protagonisten wieder überzeugen. Tamara, die anfangs eine verwöhnte Göre ist, macht eine spannende Entwicklung durch. Ich habe schon beinahe alle Werke von Cecelia Ahern gelesen und finde dieses ist eines der Besten, weil es neben der Ahern-typischen schönen Botschaften auch noch durchweg spannend ist, was man nicht von jedem ihrer trotzdem meistens wundervollen Bücher behaupten kann. Die Hörbuch-Sprecherin fand ich angenehm bis auf die kleine Winzigkeit, dass sie manchmal ein und denselben Namen unterschiedlich ausgesprochen hat.

TOPFLOP: Ein Moment fürs Leben von Cecelia Ahern (gekürzt)

„Tu mir einen Gefallen, bitte. Hör auf, dein Leben zu ignorieren!“

Seit ihr Freund sie verlassen hat, hat Lucy sich in Lügen verstrickt, die ihr Leben einfacher machen sollten – das geht allerdings immer mehr nach hinten los. Sie ist nicht besonders glücklich, ist jedoch wenig motiviert, daran etwas zu ändern. Deshalb passt es ihr auch nicht in den Kram als sie und ihre Familie plötzlich unzählige Briefe erhalten: Einladungen zu einem Treffen mit ihrem Leben.

Auch dieses Ahern-Buch habe ich schon einmal vor mehreren Jahren gelesen. Ich wusste nicht mehr so genau, was passiert und hatte in Erinnerung, dass ich es ganz gut fand, warum also nicht nebenher nochmal hören? Ganz gut trifft es auch dieses Mal. Einerseits kommt nicht viel Spannung auf, es ist klar, worauf es hinaus läuft, Lucy steht sich nur dauernd selbst im Weg, was manchmal nervig ist. Andererseits hat das Buch wieder eine Ahern-typische schöne Botschaft inklusive Tritt in den Hintern, sorgsamer mit seinem Leben umzugehen, was ich als großen Pluspunkt verbuche. Das Buch wird übrigens gerade verfilmt! 

FLOP: Ach, wär ich nur zu Hause geblieben von Kerstin Gier (ungekürzt)

Dieses Buch ist eine Ansammlung von Kurzgeschichten darüber, was im Urlaub so alles schief laufen kann von Ungeziefer bis hin zu Flugangst.

Mein Fazit lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Ach, hätte ich’s doch nicht gehört. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich keine Lust mehr, hatte das Gefühl meine Zeit zu verschwenden. Das Buch zielt überhaupt nicht auf Spannung ab, sondern nur darauf, lustig zu sein und das ist Kerstin Gier meiner Meinung nach (ausnahmsweise) nicht so richtig gelungen.

TOP: Morgen kommt ein neuer Himmel von Lori Nelson Spielmann (gekürzt)

Diese wundervolle Mutter-Tochter-Version von „P.S Ich liebe dich“ habe ich hier schon rezensiert. Dort habe ich allerdings die Sprecherin nicht erwähnt. Ihr durchweg kitschiger Tonfall hat mich manchmal etwas gestört. Meistens hat er gepasst, aber wenn es beispielsweise gerade um einen kackenden Hund geht wirklich nicht. Außerdem ist das denke ich ein Buch, bei dem es sich lohnt, nicht nur die gekürzte Version zu hören.

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TOP: Der Rosie-Effekt von Graeme Simsion (ungekürzt)

Diese supertolle Fortsetzung vom noch supertolleren Buch „Das Rosie-Projekt“ (das es auch bei Spotify gibt) habe ich auch schon rezensiert. Der erste Band wird wundervollerweise bald verfilmt. Ein Starttermin und auch die Besetzung sind leider noch nicht bekannt. Jennifer Lawrence, die Rosie spielen sollte (wär das toll und passend gewesen), ist leider wieder ausgestiegen, für Don ist gerade Ryan Reynolds im Gespräch, was ich sehr unpassend fände, außer er wird völlig umgestylt. Ok, ich komme vom Thema ab: Lest/hört ganz unbedingt die beiden Bücher!

TOP: Tschick von Wolfgang Herrndorf (gekürzt)

„Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war. (…) Auf so was sollte man in der Schule vielleicht auch mal hinweisen, damit man nicht völlig davon überrascht wird.“

Wo wir gerade bei Verfilmungen sind: Tschick kommt am 15. September ins Kino! 🙂 Als Ersatz für eine Inhaltsangabe hier der Trailer:

Die Geschichte um zwei von ihren Eltern vernachlässigte Jugendliche und ihren Roadtrip ist unterhaltsam, authentisch und hin und wieder auch spannend. Komplikationen lösen sich manchmal etwas zu schnell auf, was allerdings auch daran liegen könnte, dass das Hörbuch gekürzt ist. Herrndorf trifft die Jugendsprache und typische Probleme (Liebeskummer, Selbstfindung,…) bemerkenswert. Das Ende fand ich in Bezug auf Mike super, in Bezug auf Tschick hätte ich es mir anders oder zumindest klarer gewünscht. Der Sprecher ist klasse. Ich habe noch nie jemanden so authentisch einen russischen Akzent „nachahmen“ gehört. Ich freue mich sehr auf den Film und kann nur jedem raten, sich vorher noch das Hörbuch anzuhören.

TOPFLOP: Hector und die Geheimnisse der Liebe, François Lelord (ungekürzt)

„Liebe ist, wenn man zu lächeln beginnt, sobald man den Anderen sieht.“

Hector ist Psychiater. Als das Pharmaunternehmen, bei dem seine Freundin Clara arbeitet, eine Pille herausbringen möchte, die Liebe heraufbeschwört, soll er helfen, einen Professor aufzuspüren, der mitsamt erster Ergebnisse abgetaucht ist. Bald ist er gefunden und Hector lässt sich breitschlagen, zusammen mit einer Asiatin, die seine Sprache nicht spricht, die Liebespillen einzuwerfen. Mit seiner Freundin Clara läuft es gerade nicht besonders.

Die Geschichte ist genau so gewöhnungsbedürftig, wie sie klingt. Ich habe „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ im Kino gesehen und war begeistert, also habe ich, ohne davor auch nur eine Inhaltsangabe zu lesen, dieses Hörbuch angefangen. In diesem ergründet Hector nach den Geheimnissen des Glücks die der Liebe und hält seine Erkenntnisse immer wieder fest (siehe Zitat oben), was eine der wenigen Stärken dieses Buches ist. Es konnte mich einfach nicht richtig packen, wozu wahrscheinlich die meist unpassend nüchterne Sprache des Autors und der noch nüchternere, manchmal fast genervt klingende Tonfall des Sprechers beigetragen haben.

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TOPFLOP: Der Hut des Präsidenten von Antoine Laurain (ungekürzt)

„Die wichtigen Ereignisse unseres Lebens sind immer die Folge einer Verkettung winziger Details.“

Der französische Präsident François Mitterand vergisst seinen Hut in einem Restaurant. Von da an wechselt dieser immer wieder den Besitzer und bringt deren Leben vollkommen durcheinander. Er verleiht ihnen das Selbstbewusstsein das nötig ist, um sich aus ihrer aktuellen Lage zu befreien.

Die Geschichte setzt sich aus vier Teilen zusammen: den Erlebnissen der vier neuen Hutbesitzer, die irgendwann zusammengeführt werden. Eine schöne Idee, wie ich finde, weil der Hut für jeden der vier Protagonisten sehr bedeutsam ist, aber auf ganz unterschiedliche Weise. Das Buch hätte locker ein paar Seiten mehr vertragen können. Kaum war die Situation der Protagonisten geschildert, war sie auch schon wieder aufgelöst. Nur bei der dritten Person lässt sich der Autor etwas Zeit, weshalb diese Teilgeschichte meiner Meinung nach am besten gelungen ist. Das Ende wiederum hätte weniger ausführlich sein können. Man muss nicht unbedingt den kompletten restlichen Lebensverlauf der Protagonisten wissen, noch dazu, wenn er so ernüchternd ist, was den ermutigenden Unterton des restlichen Buches etwas kaputt macht. Am Sprecher habe ich nichts auszusetzen, seine Sprechweise war ähnlich schnörkellos wie die Sprache des Buches und daher passend.

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Ein Gedanke zu „Kostenlose Hörbücher bei Spotify: 9 Tops und Flops

  1. Pingback: Gemeinsam Lesen: Die Flüsse von London + mein unhilfreiches Leseverhalten | Mein Medienguide

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