Meine Monatsfavoriten Februar+März: Der Circle, Der Rosie-Effekt, Silver Linings

Du willst

  • Eine sehr spannende aber verstörende Dystopie darüber, was im Extremfall passiert, wenn Social Media und Co. noch wichtiger werden, als sie es sowieso schon sind. (Der Circle)
  • Einen an Sheldon Cooper erinnernden Protagonisten, der sich sehr unbeholfen auf’s Vaterwerden vorbereitet. (Der Rosie-Effekt, gibt’s als kostenloses Hörspiel 🙂 )
  • Die beste Schauspielleistung, die ich je gesehen habe. (Silver Linings)

Der Circle

„Weißt du, was ich denke, Mae? Ich denke, du redest dir ein, wenn du an deinem Schreibtisch sitzt und Frowns und Smiles vergibst, führst du tatsächlich ein faszinierendes Leben. Du kommentierst Sachen, und das ist der Ersatz dafür, sie selbst zu tun. Du siehst dir Fotos von Nepal an, klickst auf einen Smile-Button und glaubst, das ist das Gleiche, wie nach Nepal zu fahren. Ich meine, was würde denn passieren, wenn du tatsächlich hinfahren würdest? Deine Circle-Shit-Ratings oder was auch immer würden unter ein akzeptables Niveau fallen! Mae, ist dir eigentlich klar, wie unglaublich langweilig du geworden bist?“

Google, Apple, Facebook und Twitter waren gestern. Das Unternehmen Circle vereint alles, was diese Internetrießen waren. Man braucht nun nicht mehr zig verschiedene Accounts, sondern einen einzigen. Mae ergattert über ihre Freundin Annie, die in dem Unternehmen die Karriereleiter bereits sehr weit hochgeklettert ist, einen Job beim Circle. Sie ist fasziniert von dem Internetkonzern, dessen Campus eine ganz eigene Welt ist, inklusive Geschäften, einem Krankenhaus und noch so viel mehr. Anfangs ist Mae skeptisch, als unzählige ihrer Daten, von ihrem Blutdruck, bis hin zu den Lebensmitteln, die sie konsumiert, erfasst und für verschiedene Zwecke genutzt werden. Oder als sie gebeten wird, gefälligst mehr von dem, was sie tut, auf Zign (vergleichbar mit Facebook) mit anderen zu teilen, dort möglichst viel zu kommentieren oder mit Smilies und Frowns zu versehen. Doch nach und nach wird Mae immer mehr verschluckt von dem faszinierenden Unternehmen und dabei immer wichtiger für dessen großes Ziel: den Circle zu schließen – nichts soll mehr unbeobachtbar, unkontrollierbar sein und zwar nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auf der ganzen Welt. Die Leitlinien: „Geheimnisse sind Lügen, teilen ist heilen, alles Private ist Diebstahl.“ Neben der großen Frage, wie es mit dem Circle und Mae weitergeht, wirft der Autor ein weiteres spannendes Rätsel auf: Wer ist Kalden? Mae lernt ihn bei einer der unzähligen Parties auf dem Circle-Campus kennen, fühlt sich von ihm angezogen, begegnet ihm immer wieder. Er weiß sehr viel über das Unternehmen, kennt geheime Gänge, doch Mae kann ihn nicht auf Zign finden – sehr merkwürdig für einen Circle-Mitarbeiter.

„Das Leben vor der Lektüre des ‚Circle‘ ist ein anderes als das danach. Überall meint man Spuren der Fiktion in der Wirklichkeit zu finden.“ So lautet ein sehr verheißungsvolles Zitat von Julia Encke von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, das der Verlag auf die Rückseite des Buches gedruckt hat. Es klingt so hochtrabend, aber es stimmt. Glücklicherweise sind wir von der vollkommenen Überwachung noch weit entfernt, aber soziale Medien spielen jetzt schon im Leben so vieler Menschen eine große Rolle, es gibt Fitnessarmbänder, die zahlreiche Gesundheitsdaten erfassen wollen – die Krankenkassen, wie ich gelesen habe, sehr gerne nutzen würden. So kommen einem viele Aspekte aus dieser Dystopie nicht allzu unrealistisch vor, was einen teilweise schon fast gruselt. Direkt nachdem ich das Buch gelesen hatte, habe ich mich wirklich schlecht gefühlt, als ich mich auf Facebook eingeloggt habe. „Der Circle“ ist aber nicht nur gruselig, sondern auch sehr, sehr spannend. Mich hat schon lange kein Buch mehr so gefesselt. Auch wenn es gereicht hätte, ein paar weniger Projekte des Circle detailliert vorzustellen, da sie alle auf dasselbe hinauslaufen: Wir überwachen alles und jeden und wollen die ganze Welt kontrollieren. Außerdem könnte es einige stören, dass das Buch keine Kapitel hat, sondern nur Absätze sowie drei große Teile (Buch 1, 2 und 3), von denen der dritte allerdings nur die letzten drei Seiten umfasst. Daran gewöhnt man sich aber mit der Zeit.

Als der Schluss immer näher rückte, konnte ich gar nicht mehr aufhören – auch nicht, um auf die Toilette zu gehen 😀 . Einen Teil des Endes habe ich erahnt, weil er unvermeidbar war. Wer Kalden ist, hat mich überrascht. Ich wäre nicht darauf gekommen. Wie es letztendlich um den Circle steht, erfährt man erst auf den letzten drei Seiten – und die haben mich irgendwie fertig gemacht. Ich hatte mir das anders vorgestellt.

Note: 1-2

Der Rosie-Effekt

„Langsam wird es surreal. (…) Jetzt müssen wir uns bei den zwischenmenschlichen Verständigungen schon auf Don verlassen.“

Die Fortsetzung von „Das Rosie-Projekt“ (Achtung Spoiler zu Teil 1):  Don ist Genetiker. Er erinnert sehr an Sheldon aus Big Bang Theory und ist mindestens so unterhaltsam. Da er das Aspergersyndrom hat, kann er Emotionen bei anderen kaum erkennen, sich nicht richtig an gesellschaftliche Konventionen halten und hat eine zwanghafte Persönlichkeit, plant also am liebsten alles bis ins kleinste Detail und minutiös durch. In „Der Rosie-Effekt“ erwarten Don und Rosie ein Kind – eine Situation, die die junge Ehe der beiden auf eine harte Probe stellt. Was darf Rosie essen und trinken, wie geht man mit Kindern überhaupt um, wer wird sich um das Kind kümmern – diese Fragen treiben Don um. Rosie dagegen scheint ihre Doktorarbeit deutlich mehr zu kümmern, als das Baby, das in ihr heranwächst. So kommt es, dass die Beziehung der beiden langsam aber sicher in die Brüche zu gehen droht – dabei müssten sie einfach nur miteinander reden.

Nachdem ich Teil 1 zu meinem Lieblingsbuch erklärt habe, waren meine Erwartungen an die Fortsetzung groß. Bis zur Hälfte war ich enttäuscht. Der Grund:Ich hatte einen Groll gegen Rosie, die so selbstsüchtig zu sein scheint, während Don sich zwar vollkommen unbeholfen, aber total engagiert mit der Schwangerschaft und dem Vaterwerden auseinandersetzt. Ich muss zugegeben: Es hat eine ganze Weile gedauert bis ich bei der Hälfte angekommen war. Aber dann wollte ich gar nicht mehr aufhören, es kam Fahrt in die Geschichte und immer mehr Licht ins Dunkel, was Rosie im Schilde führt und ob Don sich aus der misslichen Lage wieder befreien kann, in die er sich mit seinen etwas ungeschickten Vorbereitungen auf den Nachwuchs gebracht hat. Letztlich hat Teil 2 genau wie Teil 1 ein breites Grinsen auf meinem Gesicht hinterlassen. Und das teilweise offene Ende schreit nach einem dritten Teil – ich kann es kaum erwarten!

Ich habe „Der Rosie-Effekt“ übrigens nicht gelesen, sondern gehört – kostenlos auf Spotify. Dort gibt es auch den ersten Teil, allerdings leider nur die gekürzte Version (da könnten einem einige Lacher entgehen). Den Sprecher fand ich angenehm, außer dass er zwischen verschiedenen Abschnitten und Kapiteln ruhig ein, zwei Sekunden Pause hätte machen können, damit man sich gedanklich darauf einstellen kann. Wer lieber blättert: Vor kurzem ist das wundervolle Werk als Taschenbuch erschienen.

Note: 1-

Silver Linings

„Weißt Du, was ich jetzt mache? Ich nehme all diese Negativität und wandle sie in positive Energie um. In einen Silberstreif am Horizont!“

Als Pat seine Frau mit einem anderen erwischte, rastete er völlig aus. Nun ist er aus der Psychatrie zurück und will versuchen, seine Frau zurückzuerobern, zu der ihm ein Kontaktverbot erteilt wurde. Bei einem Abendessen bei Freunden lernt er Tiffany kennen. Ihr Mann ist gerade verstorben. Sie tröstet sich mit Sex. Immer wieder treffen Pat und Tiffany aufeinander – eine explosive Mischung, die auch mal in die Luft geht. Doch eigentlich könnten sie sich gegenseitig helfen, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bekommen…

Am Anfang wusste ich erstmal nicht so richtig, was ich von der Story und dem etwas abrupten Ende halten soll. Aber eines wusste ich: Ich habe noch nie jemanden so umwerfend und überzeugend schauspielern sehen, wie Jennifer Lawrence in ihrer Rolle als Tiffany. Kein Wunder, dass sie dafür einen Oscar bekommen hat. Sie war einfach mit jeder Faser ihres Körpers diese durchgeknallte, mit ihrer Situation überforderte Frau. Bradley Cooper hat alle Emotionen von Pat in seine Augen gepackt – auch beeindruckend. Als ich mehrere Tage später an den Film zurückdachte, sagte mir mein Bauchgefühl, was ich während der Abspann lief noch nicht wusste: Der Film hat mir gefallen. Die beiden Hauptpersonen sind zwar völlig durchgeknallt, aber das macht den Film auch aus: ihre Marotten, dass sie überfordert sind mit dem, was in ihrem Leben vorgefallen ist, dass sie damit zu kämpfen haben, wieder in die Normalität zurückzufinden. Und das Ende musste einfach sein – ein anderes wäre wohl unpassend. Für alle maxdome-Mitglieder: Diesen Film gibt’s im Monatspaket.

Note: 1-2

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3 Gedanken zu „Meine Monatsfavoriten Februar+März: Der Circle, Der Rosie-Effekt, Silver Linings

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