Kolumne Medienwelt: Die Sonnen- und Schattenseiten des Journalismus

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Es ist der Traumberuf von unzähligen jungen Menschen, meiner ist es schon seit ich fünf Jahre alt bin. Der Beruf eines Journalisten beziehungsweise Redakteurs hat auch so einiges traumhaftes an sich, aber jede Medaille hat zwei Seiten. Wie diese beim Journalismus in meinen Augen aussehen, werde ich Euch in der heutigen Ausgabe meiner Kolumne Medienwelt berichten.

Sonnenseite 1: Einblicke

Man lernt mit der Zeit soo viele verschiedene Menschen, deren Geschichten, Projekte, Anliegen und noch viel mehr kennen. Ich war schon mit einem Streetworker unterwegs, bin mit einem neuen Simulator für Azubis Straßenbahn gefahren, habe in einer Grundschulklasse für Migranten, die gerade deutsch lernen, gesehen, wie ein sonst verängstigtes Mädchen beim Theater spielen vollkommen aufblüht – um nur einige wenige Erfahrungen zu nennen, die ich, weil ich als Journalistin arbeite, erleben durfte. Selbst beim – um das totale Klischeethema für Lokaljournalisten zu nennen – Kaninchenzüchterverein, lernt man vielleicht super nette Menschen kennen, mit denen man sonst nie etwas zu tun gehabt hätte.

Sonnenseite 2: Eigene Ideen umsetzen

Es gibt unendlich viele Themen, über die es sich zu berichten lohnt. Um diese aufzustöbern braucht es Kreativität sowie offene Augen und Ohren. In beinahe jeder Redaktion (außer bei manchen Lokalzeitungen, wie ich selbst erlebt und auch schon von anderen gehört habe) ist es sehr gerne gesehen, wenn man seine eigenen Ideen einbringt. Und das macht einfach Spaß: tolle Themen zu entdecken, seine Kollegen dafür zu begeistern und schließlich das fertige Werk online oder auf Papier zu sehen und damit die Leser auf dieses eine tolle Thema aufmerksam gemacht zu haben (siehe Punkt 4).

Sonnenseite 3: Schreiben

Schreiben ist meine große Leidenschaft. Das wird sicher noch vielen anderen Nachwuchsjournalisten so gehen. Klar muss mal auch viel recherchieren, Mails schreiben, telefonieren, zu Terminen fahren und so weiter, aber der Kern des journalistischen Tätigkeit ist doch das Schreiben (es sei denn, man ist Ressortleiter oder Chefredakteur). So wie andere jubeln, wenn sie eine knifflige Matheaufgabe gelöst oder ein eigenes Lied komponiert haben, geht mir das Herz auf, wenn mir eine schöne Formulierung, eine prägnante Überschrift, ein interessanter Einstieg oder ein passender Schluss einfällt.

Sonnenseite 4: Gutes verbreiten

Ich liebe es, wenn die Chance besteht, dass ich mit meinen Texten irgendjemanden auf etwas aufmerksam mache, das ihm weiterhilft. Deshalb schreibe ich beispielsweise gerne über Projekte wie etwa Kleidertauschs, Kunsttherapie oder Sprachpaten. Auch Ratgebertexte finde ich toll: Wie kann ich in dieser und jener Stadt Beruf und Familie besser vereinbaren, wie geht man am besten mit Eifersucht um, wie mit pubertierenden Jugendlichen.

Schattenseite 1: Übertreiben und reißerisch sein bringen Erfolg

Machen wir uns nichts vor: In einem Meer aus Zeitungen am Kiosk tut man sich am leichtesten hervor, wenn man auf reißerische Überschriften setzt. Das weiß die Bild schon seit Jahrzehnten und nutzt das Tag für Tag aus. Während am Zeitungskiosk vornehmlich die Boulevardzeitungen darauf angewiesen sind, sind es online plötzlich alle. Wie soll man aus den Millionen Facebook- oder Twittermeldungen herausstechen und die Leute auch noch dazu bringen, auf den Beitrag zu klicken, anstatt gelangweilt weiterzuscrollen? Man bauscht Dinge auf, macht die Leser wegen etwas verrückt, das es gar nicht wert ist, lässt die Überschrift so klingen, als sei etwas sicher, das bisher nur eine Spekulation ist,… Das habe ich schon vielfach bei verschiedensten Online-Zeitungen und -Magazinen beobachtet. Immerhin wird es häufig mit ein paar aufgebrachten Kommentar bestraft, aber gleichzeitig mit Tausenden Klicks belohnt. Eine bezeichnende Aussage einer Redakteurin, die ich bei einer meiner bisherigen praktischen Erfahrungen aufgeschnappt habe: „Das ist jetzt nicht gerade ein Bombenthema.“ – „Wenn du eine Bombenüberschrift hast, dann ist es ein Bombenthema.“

Schattenseite 2: Leser, die ihre Anonymität in vollen Zügen auskosten

Auch das ist vorwiegend ein Onlinejournalismus-Problem: Leser können anonym ihre Meinung loswerden. Und das tun sie zumeist, wenn diese negativ ist – nett ausgedrückt. Auf den Punkt gebracht: Sie beleidigen die Personen, über die berichtet wurde oder den Autor, schimpfen darüber, wie sinnlos ein Text ist, zetteln Streit mit anderen Lesern an,…

Schattenseite 3: Zukunftsperspektive/Unsicherheit

„Nach einem Bericht der Bundesagentur für Arbeit steigt die Arbeitslosigkeit in den Bereichen Redaktion, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit seit zwei Jahren an und fällt höher aus als in den meisten anderen akademischen Berufsgruppen“, heißt es im Zeit Campus Ratgeber „Berufseinstieg 2016“. Da fühlt man sich doch super mit seiner Entscheidung. Wie ihr in den nächsten Monaten noch in meiner Reihe „Mein Weg in den Journalismus“ genauer erfahren werdet, ist schon der Einstieg – eine Volontariatsstelle zu finden – alles andere als ein Zuckerschlecken: sehr wenige Stellen, sehr viel Konkurrenz. Außerdem müssen viele auf Freiberuflichkeit ausweichen, was erstens nicht jedermanns Sache ist und zweitens viele Tücken hat.

Das waren sicher noch nicht alle positiven und negativen Aspekte am Journalisten-Dasein, aber zumindest jene, die mir bisher am stärksten aufgefallen sind. Würdet ihr dieselben Punkte nennen oder ganz andere? Welche guten und weniger guten Erfahrungen habt ihr gesammelt?

 

 

 

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2 Gedanken zu „Kolumne Medienwelt: Die Sonnen- und Schattenseiten des Journalismus

  1. Eine Schattenseite dürfte (ich bin fachfremd, weil lediglich Linguistikstudent) auch sein, dass die Recherche oftmals aufgrund von Zeitdruck und/oder Zielsetzung spärlich ausfällt. Viele Sachverhalte werden derart auf ein paar „Fakten“ heruntergebrochen, die der Intention eines Beitrags/Artikels entsprechen. Gelegentlich läuft es mir eiskalt den Rücken herunter, wenn komplexe Sachverhalte so eingedampft werden, dass wichtige Hintergründe unter den Tisch fallen. In manchen Zusammenhängen sogar bewusst.

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  2. Schön zusammengefasst. Ja, Clickbaiting ist eine unschöne Sache… inzwischen habe ich z.B. die Seite von heftig.co in meinem Facebookstream auf unsichtbar gestellt, weil es mich inzwischen nervt, mit Überschriften gelockt zu werden, hinter denen sich dann nur heiße Luft verbirgt… Vielleicht machen das auch andere Leute und der Trend nach diesen Überschriften geht zurück. Wer weiß. Aber immer dieses „Du glaubst nicht, was dann passiert ist“… Woah…

    Bei uns an der Uni ist ja schon der Zugang zum Studium sehr hart. Es gibt einen mehrstufigen Auswahltest, bei dessen erster Stufe nur die besten 60 weiterkommen. Und von denen bleiben dann nur 24 übrig.
    Ächz… :O

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