Mein Weg in den Journalismus Teil 2 – Wo ein Praktikum machen? Was studieren?

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Was soll ich studieren?

Da mein Berufswunsch ja schon felsenfest stand, war klar, dass ich meine Studienfachwahl danach ausrichten werde. Was passt zu Journalismus? Na klar, Publizistik oder Medien- und Kommunikationswissenschaften, dachte ich mir. Doch als ich in der zwölften Klasse an den Jugendmedientagen der Jugendpresse Deutschland teilnahm, verwarf ich diesen Plan sehr schnell wieder. Der richtige Weg in den Journalismus war ein großes Thema der dreitägigen Veranstaltung. Es stellte sich heraus, dass es nicht unbedingt einen Königsweg gibt, doch in einem Punkt waren sich die Experten (unter anderem der Geschäftsführer der Deutschen Journalistenschule) einig: auf keinen Fall Journalismus/Publizistik/Kommunikationswissenschaften studieren. Eine Aussage, bei der ich leider nicht mehr weiß von wem sie war, ist mir besonders im Kopf geblieben: „Man wird höchstens genommen obwohl man Journalismus studiert hat, nicht weil man Journalismus studiert hat.“ Bleibt noch eine Frage: was dann?

Die Antwort ist einfach: alles andere. Hauptsache es handelt sich um ein Fachgebiet, mit dem man sich nach dem Studium auskennt und man zeigt, dass man es schafft, sich drei Jahre genauer mit einem Thema auseinanderzusetzen. Dass man später noch etwas mit seinem Studienfach zu tun hat, ist besonders bei Regionalzeitungen alles andere als sicher. Dennoch gibt es gute und weniger gute Entscheidungen, wenn es um die Studienfachwahl geht. Naturwissenschaftler stolpern relativ selten in den Journalismus und sind deshalb gefragt. Politikwissenschaften ist besonders, wenn man zu einer (Online-)Zeitung will, aus naheliegenden Gründen sinnvoll. Meine Wahl war sicher nicht die tollste, die man treffen kann, doch mir war es wichtig, dass mich mein Studienfach auch aufrichtig interessiert. Ich hatte Gemeinschaftskunde als Leistungskurs und Lieblingsfach, weshalb ich mich für Soziologie entschied. Als Beifach wählte ich Psychologie, da ich zu diesem Thema schon lange selbst gerne Artikel gelesen habe. Dank dieser Auswahl kann ich immerhin fachkundig meinen Senf zu sozialpolitischen Themen wie etwa Frauenquote oder doppelte Staatsbürgerschaft abgeben und weiß was in einen guten Artikel à la „Wie schafft man es, seine guten Vorsätze umzusetzen?“ gehört. Über meine Studienfächer hat sich bislang noch keiner direkt beschwert. Lediglich eine Regionalzeitung, bei der ich direkt eine Absage auf meine Volontariatsbewerbung bekam, wollte lieber Bewerber, die „Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Jura, Politikwissenschaft, Geschichte, Philologie, Theologie, Musikwissenschaften, Theaterwissenschaften, Kunstgeschichte oder ein naturwissenschaftlich/ technisches Fach“ studiert haben.

Muss man überhaupt studieren? 

Auf jeden Fall! Ohne Studium eine Volontariatsstelle zu bekommen ist ähnlich wahrscheinlich, wie dass man mal eben schnell „The Voice of Germany“ gewinnt. Bei fast allen Volontariats-Ausschreibungen steht als erste Anforderung ein abgeschlossenenes Studium. Das ist auch sinnvoll so. Denn im Studium lernt man, umfangreich zu recherchieren, kritisch zu denken und mit Statistiken umzugehen.

Praktika mit Bedacht auswählen

Viel, viel wichtiger als die theoretische Bildung ist Personalern bei werdenden Journalisten Praxiserfahrung. Mehrere freie Mitarbeiten und Praktika sind also ein absolutes Muss, wenn man eine gute Chance auf eine der wenigen und umkämpften Volontariatsstellen haben will. Sofern das möglich ist, sollte man die Praktikumsstellen gezielt auswählen. In sehr vielen Stellenausschreibungen für Volontäre wird ein Praktikum bei einer Lokalzeitung vorausgesetzt. Da man dort, wie in Teil 1 (siehe unten) erwähnt, viel einfacher reinkommt als bei größeren Medien, ist diese ein super Wahl für das erste längere Praktikum.
Gedacht, getan. Als im Studium mein Pflichtpraktikum anstand, sicherte ich mir eine Stelle für vier Wochen bei einer regionalen Onlinezeitung sowie für drei Wochen bei der nächstgelegenen Print-Zeitung im Lokales-Ressort, für deren Sonntagsausgabe ich schon seit fast drei Jahren als freie Mitarbeiterin tätig war. Eine gute Kombi, denn eine weitere häufige Anforderung an Volontäre ist, dass man sowohl im Print- als auch Onlinebereich bereits Erfahrungen gesammelt hat, in letzterem ganz besonders, da dort mit komplexeren Redaktionssystemen gearbeitet wird, die einem nicht ganz fremd sein sollten – und natürlich weil Onlinejournalismus zukunftsfähiger ist. Doch der wichtigste Punkt ist folgender: Die beste Methode, die vielen, vielen Mitbewerber um eine Volontariatsstelle „auszustechen“ ist, bei diesem Medium bereits ein Praktikum gemacht zu haben oder freier Mitarbeiter gewesen zu sein, und dabei einen bestmöglichen Eindruck hinterlassen zu haben. Es ist zwar unglaublich nervig, aber durchaus verständlich, dass Bewerber bevorzugt werden, von deren Können der Redaktionsleiter sich bereits selbst überzeugen konnte. So ist es auch bei mir selbst gekommen: Ich bin jetzt Volontärin bei jener lokalen Onlinezeitung, bei der ich während des Studiums mein Pflichtpraktikum absolviert habe (und danach freie Mitarbeiterin wurde, um noch mehr in Erinnerung zu bleiben und weil es mir angeboten wurde). Es lohnt sich als, sich bei der Praktikumssuche zu informieren, welche Zeitungen, Onlineportale und Magazin Volontariate anbieten.
Nachdem ich meinen Bachelorabschluss in der Tasche hatte, habe ich notgedrungen noch zwei weitere Praktika gemacht, um die Zeit zu überbrücken, bis ich eine Volontariatsstelle gefunden habe. Geschadet haben diese allerdings überhaupt nicht. Ich habe sehr viel dazu gelernt. Das erste Praktikum nach dem Studium war bei einem Onlinemagazin und E-Paper für berufstätige Eltern und dauerte drei einhalb Monate. Da die Redaktion aus den beiden Chefredakteurinnen und ansonsten nur freien Mitarbeiterin bestand, durfte ich sehr intensiv mitarbeiten. Im Anschluss war ich drei Monate Praktikantin bei einem Psychologie-Magazin. Dort habe ich mehr über das Schreiben gelernt als je zuvor. Bevor ein Artikel in den Druck ging, haben mindestens drei Personen drüber gelesen und Rückmeldung gegeben.

So reich wird man mit journalistischen Praktika

Jetzt, da es den Mindestlohn für Praktikanten mit abgeschlossenem Studium für Praktika, die drei Monate aufwärts dauern, gibt, ist es kaum noch möglich wie ich zwei längere Praktika an das Studium anzuschließen. Womit wir bei einem sehr brisanten Thema für Journalisten wären: dem Gehalt. Mein vierwöchiges Praktikum bei der lokalen Onlinezeitung war komplett unbezahlt. Das bisher einzige Praktikum, bei dem ich genug verdient habe, um ohne Unterstützung über die Runden zu kommen war das dreiwöchige bei der Lokalzeitung. Dort wurde ich bezahlt wie freie Mitarbeiter: Nach Zeile und Bild. Deutlich abwärts ging es gehaltstechnisch bei den beiden Praktika nach dem Studium: Ich verdiente rund drei Euro pro Stunde – also noch nicht einmal die Hälfte des Mindestlohns, der Langzeit-Praktikanten mit abgeschlossenem Studium mittlerweile zusteht (,um den sich allerdings alle drücken, indem sie nur noch Studenten nehmen, denen sie so wenig zahlen dürfen, wie sie wollen). Klar lernt man bei Praktika sehr viel und bekommt meist viel Feedback. In Vollzeit intensiv mitzuarbeiten (was zumindest ich immer getan habe) und sich trotzdem kaum mehr als die Miete leisten zu können, ist auf Dauer jedoch wirklich frustrierend. Wie man sieht, erfordert der Berufswunsch Journalist so einiges an Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz und Mühe. Das wird sich auch im nächsten Teil dieser Serie zeigen, in dem ich über meine Volontariatssuche berichte. Doch spätestens jetzt, da ich endlich Volontärin bin und in Vollzeit meinem Traumjob nachgehe, kann ich sagen: Es lohnt sich!

In Teil 1 erzähle ich, wie sich mein Berufswunsch entwickelt hat und welche ersten Schritte ich unternommen habe, um diesem näher zu kommen.

In Teil 3 berichte ich über meine nervenaufreibende Volontariatssuche – wenige Stellen, viel Konkurrenz und die Sonderwünsche einiger Redaktionen.

In Teil 4 verrate ich Euch, wie ich meine fünfmonatige Tätigkeit als freie Journalistin erlebt habe, eine berufliche Perspektive, die bei den wenigen und umkämpften festen Stellen in dieser Branche momentan keine Seltenheit ist und über die man sich daher unbedingt Gedanken machen sollte.

In Teil 5 erfahrt ihr, warum ich mein Volontariat nach einem halben Jahr abgebrochen habe.

Hier könnt Ihr nachlesen, wie ich mich nach dem gescheiterten Volontariat wieder aufgerappelt habe und was ich jetzt mache. 

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6 Gedanken zu „Mein Weg in den Journalismus Teil 2 – Wo ein Praktikum machen? Was studieren?

  1. Pingback: Mein Weg in den Journalismus Teil 0: Erste Schreibversuche – lustige Kurzgeschichten aus der Grundschule | Mein Medienguide

  2. Pingback: Mein Weg in den Journalismus Teil 5: Warum ich mein Volontariat abgebrochen habe + Wie es jetzt weiter geht | Mein Medienguide

  3. Psychologie ist cool…
    Wie ist das mit dem Numerus Clausus? Wenn du Psychologie im Nebenfach oder so studierst, sind dann die Anforderungen anders? Ich habe Psychologie immer total toll gefunden, interessiere mich für das Gehirn, wie es funktioniert, wie die Psyche aufgebaut ist… Aber ich hatte nie ausreichend gute Noten.
    Danke für die vielen, interessanten Einblicke! 😀

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  4. Pingback: Mein Weg in den Journalismus Teil 1 – Die ersten Schritte | Persönlicher Blog

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