Rezension Ich und die anderen

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Du willst

    • Deine Beziehungen jeglicher Art verbessern
    • an Dir arbeiten
    • dafür so einiges an Einsatz zeigen

Inhalt

Nur der Esel nennt sich selbst zuerst – im Falle dieses Buchtitels ist das allerdings ausnahmsweise angebracht, denn „Veränderungen beginnen stets bei uns selbst. Und das gilt auch für unsere Beziehungen zu anderen Menschen.“ So fasst Verhaltens-therapeut und Berater Jens Corssen, der unter anderem Vorstandsmitglieder deutscher DAX-Unternehmen und Spitzensportler berät, den Kern der von ihm entwickelten Praxis des „Selbst-Entwicklers“ zusammen. Diese will er gemeinsam mit Verhaltensforscherin Christiane Tramitz den Lesern näherbringen.
Corssen definiert elf „heimliche Begleiter“, die Einfluss auf unsere Interaktion mit anderen nehmen, darunter der Mitfühler, der Vergleicher und der Kontroller. Vom ersten Eindruck bis zu einer Trennung und einem Neuanfang erklären die Autoren, wie die jeweils ent-scheidenden Begleiter wirken und wie man mit ihnen umgehen sollte, um Beziehungen – ob privat oder beruflich – so positiv wie möglich zu gestalten. Eins ist Corssen zufolge bei alledem elementar: im L-Modus sein, also auf Liebe, Leidenschaft, Lust und Loslassen (von Rechthaberei und unerfüllbaren Erwartungen an andere) eingestellt zu sein. Der ablehnende A-Modus und der kampfeslustige K-Modus seien dagegen tunlichst zu vermeiden, wobei das Buch behilflich sein soll.
Die Autoren halten viele Anleitungen bereit, etwa dazu, wie man Schüchternheit über-winden, Sympathien sammeln, empathischer werden, Geben und Nehmen in Balance bringen, vertrauenswürdig werden, vorbildlich mit Kontrollverlusten umgehen und mit Trennungen fertig werden kann. Daneben streuen Corssen und Tramitz immer wieder Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft und Sozialforschung ein, wie etwa, dass Menschen, die sich bei einer ersten Begegnung als sympathisch oder kompetent präsentieren wollen, laut einem Experiment zu 60 Prozent nicht ohne kleine Schwindeleien auskommen. Die abstrakten Schilderungen zu den heimlichen Begleitern veranschau-lichen die Autoren mal mit realen, mal mit fiktiven Alltagsbeispielen von konkurrierenden Kollegen oder einem Mann und einer Frau, die sich auf einer Party kennenlernen.  Zwischendurch geben Corssen und Tramitz den Lesern immer wieder Mantras mit auf den Weg wie „ich bin für das Leben, mit all dem, was es bringt“ oder „jeder hat recht in seinem Angst- und Denksystem“.

Bewertung

Die zahlreichen praxisorientierten Tipps der Autoren sind mal hilfreich, mal äußerst schwer umsetzbar. So klingt es doch nützlich und anwendbar, sein Gegenüber nach einem Streit zunächst, etwa durch eine Entschuldigung oder Schadensbegrenzung, in den „L-Modus“ zu bringen und dann erst für die eigenen Beweggründe (zum Beispiel Zeitmangel) auf Mitgefühl zu pochen. Ob es einem nach der Lektüre des Buches so leicht gelingt, „Willkommen, Situation, du bist mein Coach“ zu denken, anstatt Worte wie „Idiot“ in den Mund zu nehmen, wenn man von jemandem genervt ist, ist eine andere Frage. Ebenso, ob ein Schüchterner sich dazu überwinden kann, auf der Straße alle zehn Meter in die Luft zu springen und „kuckuck“ zu rufen, um sich für Ablehnung anderer zu desensibilisieren, was Autor Jens Corssen angeblich seit Jahren macht.

Note: 2-

Ich und die anderen – Als Selbst-Entwickler zu gelingenden Beziehungen, Jens Corssen und Christiane Tramitz, Knaur, München 2014, 288 S., 17,99 €

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Ein Gedanke zu „Rezension Ich und die anderen

  1. Ich stehe solchen Ratgebern skeptisch gegenüber. Dieses „es ist ganz einfach!“-Gerede. Ist es eben nicht. Wir sind verschiedene Menschen mit verschiedenen Erfahrungen und manches klappt bei uns schlechter, manches besser. Wenn man verrückte Dinge wie die Situation mit dem „kuck-kuck“ macht, sollte man innerliche darauf vorbreitet sein.

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