Rezension Das Jahr in dem ich dich traf

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Du willst

  • eine schöne Botschaft
  • eine etwas andere Mann trifft Frau Geschichte
  • eine nicht allzu spannungsgeladene Handlung

Inhalt

Jasmine brennt für ihren Job. Als sie von ihrem selbst mitbegründeten Unternehmen ein Jahr freigestellt wird, steht sie vor einer großen Leere. Diese füllt sie damit, sich um ihre kleine Schwester zu kümmern, die das Down-Syndrom hat, ihren Garten und irgendwann auch sich selbst auf Vordermann zu bringen.
Ihr Nachbar Matt ist in einer ähnlich unangenehmen Lage: Er verliert seinen Job und seine Frau verlässt ihn. Jasmine und Matt sind schon lange Nachbarn, doch in diesem für sie beide schwierigen Jahr lernen sie sich erst richtig kennen. Aber Achtung: keine voreiligen Schlüsse. Das ist nicht der Beginn einer kitschigen Romanze. Dafür sind Jasmine und Matt viel zu sehr damit beschäftigt, sich anzugiften. Doch auf diese Weise bringen sie beide im Leben des anderen einen Stein ins Rollen.

Hauptpersonen

Jasmine: hat mir Herzblut Start-ups beraten; verlor als Jugendliche ihre Mutter und versucht für ihre kleine Schwester verzweifelt, diese zu ersetzen; ist sauer auf Matt, weil er vor Jahren eine niveaulose Talkrunde zum Thema Down-Syndrom moderiert hat; weiß ohne Job nicht mehr, wer sie eigentlich ist
Matt: ertränkt seinen Frust in Alkohol; verbringt unzählige Nächte an einem Tisch in seinem Vorgarten sitzend; wenig vorbildlicher Vater; ist ein bekannter Radiomoderator; kann sehr beleidigend sein

Bewertung

„Vor allem aber erkennt man ein gutes Buch an dem Lächeln auf dem Gesicht, mit dem man die letzte Seite zuklappt.“ So fasse ich bei einer Umfrage des Blogs „Buchstäbliches“ meine Antwort auf die Frage, was für mich ein gutes Buch ausmacht, zusammen. „Das Jahr in dem ich dich traf“ hat es immerhin geschafft, ein klitzekleines Schmunzeln auf meinem Gesicht zu hinterlassen. Denn wie jeder Cecelia Ahern-Roman vermittelt ihr neustes Werk eine schöne Botschaft.
Allerdings habe ich ganze fünf Monate gebraucht, um das Buch zu Ende zu lesen und bin währenddessen mit mehreren anderen Werken fremd gegangen. Besonders fesselnd war es also nicht. Viel mehr zieht sich die Handlung, ebenfalls Ahern-typisch, bis etwa zur Mitte wie Kaugummi – allerdings wie welches mit Erdbeergeschmack. Denn die irische Bestsellerautorin versteht es, vielschichtige Charaktere zu zeichnen und nette (in dem Fall nicht der kleine Bruder von Sch****) Nebengeschichten zu kreieren.
Sprachlich hat sich Cecelia Ahern bislang in keinem Buch so sehr ausgetobt. Besonders Metaphern scheinen es ihr angetan zu haben. Wie Protagonistin Jasmine über die ganze Geschichte hinweg ihren Garten auf Vordermann bringt, steht etwa sinnbildlich für die parallel stattfindenden Renovierungsarbeiten an ihrer Persönlichkeit – eine sehr stimmige Idee. Allerdings ist das noch lange nicht die einzige Metapher beziehungsweise das einzige Stilmittel, das Ahern verwendet. Sie gebraucht sogar so viele, dass die Sprache insgesamt etwas zu gewollt wirkt. Bei einem Absatz etwa streut die Autorin bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit den Satz „Und dann gingen mir die Ideen aus.“ ein. Da fragt man sich, ob Ahern genau das selbst passiert ist. Besonders anstrengend ist, dass die ich-Erzählerin Jasmine von Matt nicht in der dritten Person Singular spricht, sondern ihn siezt, als würde sie die Geschichte nicht den Lesern, sondern Matt erzählen (Beispiel: „Ich schaue hinaus. Und da sehe ich Sie.“)
Insgesamt bleibt das Buch hinter vielen ihrer bisherigen Werke zurück, denn die Irin weiß durchaus, wie man Spannung aufbaut, aber „Das Jahr, in dem ich dich traf“ nimmt nie so richtig Fahrt auf und das Ende plätschert ziemlich vor sich hin – große Überraschungsmomente Fehlanzeige.

Note: 2-

Das Jahr in dem ich dich traf, Cecelia Ahern, Fischer Krüger, Frankfurt am Main 2015, 384 S., 14,99€

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Ein Gedanke zu „Rezension Das Jahr in dem ich dich traf

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